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100 Jahre Soldan
100 Jahre Soldan - Partner der Anwälte und Notare
 Die Person Hans Soldan

Bereits aus seiner frühen Anwaltstätigkeit ist bekannt, dass Hans Soldan seinen Beruf sehr ernst nahm und gerade im Wesen der subjektiven Rechtsverwirklichung einen wichtigen Beitrag zur Herstellung materialer und prozeduraler Gerechtigkeit erblickte. Mit dieser Überzeugung setzte er sich für seine Klientel in stets vorbildlicher Weise ein, wobei ihm sein reiches juristisches Wissen, seine sprachliche Begabung -- unter den Zeitgenossen galt er als ein Meister der Sprache in Wort und Schrift -- und nicht zuletzt seine liebenswürdige Persönlichkeit zugute kamen.
Die Quellen aus der Mainzer Zeit des Stifters belegen aber nicht nur sein überdurchschnittliches berufliches Können sowie seine vorbildliche Berufsauffassung; in den Darstellungen seiner Zeitgenossen finden sich darüber hinaus immer wieder Hinweise auf die auffällige Breite seiner allgemeinen Bildung, die sich mit einer für ihn charakteristischen ausgezeichneten Darstellungsgabe verband. Besonders hervorgehoben werden seine Neigung zur Theorie, seine wissenschaftlichen, philosophischen und geschichtlichen Interessen, die auch noch in späteren Publikationen Soldans ihren Ausdruck finden.
Hans Soldan war sein ganzes Leben lang von der Philosophie Immanuel Kants durchdrungen, eine Tatsache, die uns wichtige Aufschlüsse über die Motive seines späteren fruchtbaren Schaffens für die Anwaltschaft gibt.

Im Jahre 1908 übernahm Hans Soldan in Mainz von RA Justizrat Kolsen, Berlin, die von diesem 1904 auf eigene Gefahr und Kosten gegründete Deutsche Rechtsanwalts-Zeitung (DRAZ). Soldan erläuterte dieses Ereignis später so: Nun kam Anfang des Jahres 1908 Herr Kollege Kolsen auf den Gedanken, mir die Rechtsanwalts-Zeitung überhaupt zu übertragen. Meine wissenschaftlichen und sonstigen Neigungen lagen auf ganz anderen Gebieten. Ich hielt es aber nicht für wahrscheinlich, dass mich die Bearbeitung der Standesfragen von dem Wege meiner persönlichen Neigungen abdrängen würde. Dies geschah aber dadurch, dass ich die Aufgabe, die mir durch die Übernahme der DRAZ gestellt wurde, in einem viel weiteren Sinn als sie gemeinhin für richtig gehalten wird, auffasste." Soldan hatte auch zuvor bereits in der DRAZ, die von Kolsen im Rahmen der Diskussion für eine Zwangsruhegehaltskasse zum Zwecke der Alters- und Hinterbliebenenversorgung der Rechtsanwälte ins Leben gerufen worden war, veröffentlicht. Die DRAZ öffnete ihre Spalten zunehmend auch anderen Standesfragen und wurde unter der Leitung Soldans zu einem kritischen, oft äußerst kämpferischen Forum standespolitischer Auseinandersetzungen, bis sie 1923 infolge der Inflation nicht mehr getragen werden konnte.

Der Aufbau des Wirtschaftlichen Verbandes Deutscher Rechtsanwälte

Soldan entfaltete in der DRAZ eine rege publizistische Tätigkeit. Er rief zu umfassenden Maßnahmen auf, die der wirtschaftlichen Verschlechterung und dem weiteren Absinken des sozialen Prestiges des Berufsstandes entgegenwirken sollten. Gleichzeitig war er aber auch der Auffassung, dass durch Zeitungsaufsätze allein keine Standespolitik zu machen sei und dass es nicht seine Aufgabe sein könne, den deutschen Rechtsanwälten bloße Vorschläge zu unterbreiten. Was er wollte, war mehr: er forderte ein umfassendes Sofortprogramm zur wirtschaftlichen Selbsthilfe der Anwaltschaft; nämlich den gemeinsamen Einkauf aller Kanzlei- bedürfnisse der Anwaltschaft unter Ausschaltung des Zwischenhandels, also möglichst preisgünstig.

Soldan ging noch im Jahre 1908 daran, seine Pläne zu verwirklichen: er baute das Unternehmen, "eine unselbständige Person von rechtlich eigenartigem Charakter", selbst auf. Es erhielt zunächst die Bezeichnung Wirtschaftliche Vereinigung". Später, noch im gleichen Jahr 1908, wurde aus dieser der Wirtschaftliche Verband Deutscher Rechtsanwälte" geschaffen.
Hans Soldan führte den Betrieb zunächst von seiner Mainzer Anwaltskanzlei aus. Er schloß alle für die Zwecke des Vereins bzw. Verbandes erforderlichen Lieferverträge und übernahm die Erfüllung derselben in persönlicher Haftung. Mit dieser Initiative wandte er sich in mehreren Artikeln und Aufrufen in der DRAZ an eine breite Öffentlichkeit. Er erhielt aus allen Teilen des Kaiserreiches begeisterte Zustimmung. Die Hans-Soldan-Stiftung feiert dieses Jahr 1908 als den Gründungsakt ihrer Geschichte und ihres eigenen Bestehens. Sie hat niemals einen Unterschied gemacht zwischen dem Wirtschaftlichen Verband Deutscher Rechtsanwälte und ihrer späteren Unternehmensform, die auf die Gründung des Stifters vom Jahre 1929 zurückgeht, weil beiden Unternehmensformen die gleiche Konzeption zugrunde lag und weil bei allen politischen, sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen sowohl das Engagement für die Belange der Anwaltschaft als auch die ideellen Aufgabenstellungen und Zielsetzungen die gleichen geblieben sind. Hans Soldan wollte durch die Stiftung sein Lebenswerk gesichert wissen, er wollte die Frucht seines Schaffens über den Tod hinaus gerettet wissen. Die Stiftung hat seinen Willen bis zum heutigen Tage erfüllt.
Den Geschäftsbetrieb des Wirtschaftlichen Verbandes nahm er selbst in die Hand und führte ihn von seiner Mainzer Kanzlei aus, nachdem zuvor die Lieferverträge geschlossen waren und er sich persönlich für den erforderlichen Kredit verbürgt hatte. Ihm halfen zunächst noch die Angestellten seiner Kanzlei. Gleichzeitig entfaltete Hans Soldan neben seiner beruflichen Inanspruchnahme eine umfangreiche Reisetätigkeit für den Verband. Er sprach in Vorträgen vor den örtlichen Vereinen, bei denen er mit großer Anteilnahme und Wärme empfangen wurde, über seine Ziele. Dabei konnte er mit Freude registrieren, dass sich größere Unterabteilungen des Wirtschaftlichen Verbandes unter anderem in Düsseldorf, Essen, im elsässischen Straßburg, in München, Nürnberg, Breslau, Dresden, Leipzig und Berlin rekrutierten. Die dadurch aufgebrachten finanziellen Mittel verstand er, der er die gesamte Aufbauarbeit des Verbandes ohne den geringsten Vorteil für sich geleistet hatte und der er in den späteren Jahren auch noch erhebliche Verluste mit dem eigenen Vermögen ausgleichen sollte, als einen Vertrauensbeweis sui generis, der ihm und seiner Arbeit weiteren Auftrieb gab.

Der Plan zur Errichtung einer wissenschaftlichen Forschungsstelle für die Erhebung empirischer Daten (1909)

Im Jahre 1909 fasste Hans Soldan den Plan, als erste Standeseinrichtung des Wirtschaftlichen Verbandes ein Statistisches Amt zu gründen, das der Anwaltschaft mit zuverlässigen, nach exakt wissenschaftlichen Methoden gewonnenen Daten zur Verfügung stehen solle. Andere, weniger aufwendige Projekte konnten dagegen sofort verwirklicht werden, so die Herausgabe des Formularbuchs mit Anmerkungen, das im Jahre 1910 gleichzeitig mit der Novelle zur Zivilprozessordnung erschien. Dies konnte deshalb geschehen, weil an dem Entwurf des Formularbuchs bereits von der Bekanntgabe der Gesetzesnovelle an gearbeitet wurde. Das Buch selbst wurde in den Kreisen der Anwaltschaft begeistert aufgenommen; es wurde nun zusammen mit den übrigen Artikeln des Wirtschaftlichen Verbandes angeboten.
Das Warenangebot des Wirtschaftlichen Verbandes erhöhte sich ständig, und die Preisvorteile vieler Bedarfsartikel wurden bereits damals in den Kreisen der Abnehmer als außerordentlich lukrativ gewürdigt. Eine Robe zum Beispiel, die im Warenhaus etwa 60 Reichsmark kostete, konnte vom Wirtschaftlichen Verband im Jahre 1909 für ganze 32 Mark geliefert werden.
Im Jahre 1909 wurde Hans Soldan auf dem Anwaltstag in Rostock in den Vorstand des Deutschen Anwaltvereins gewählt. "Soldans Name war ein Programm und zwar ein wirtschaftliches ... Eine Provokation war die Wahl dieses Mainzer LG-Anwalts wegen seiner wirtschaftlich ausgerichteten Pläne."

Treuhand Deutscher Rechtsanwälte (1911/1914)

Im Jahre 1911 unterbreitete Soldan dem Anwaltverein den Vorschlag, eine Treuhandgesellschaft deutscher Rechtsanwälte zu gründen. Auf sein Betreiben hin wurde auch ein Ausschuss für Treuhandangelegenheiten eingesetzt. In seiner Absicht lag die Ausweitung der außergerichtlichen anwaltschaftlichen Tätigkeit nach dem englischen Vorbild des trustee, der als Einzelberater, persönlicher Treuhänder und Vermögensverwalter in zahlreichen Gebieten der bürgerlichen Lebensverhältnisse ein reges Betätigungsfeld fand.
In der praktischen Ausführung sollte es "das Ziel sein, dass da, wo die Gesellschaft (die Treuhand, d. Verf.) als solche Mandatarin wird, den einzelnen Rechtsanwälten die Geschäfte zugeführt werden, und da, wo der einzelne Rechtsanwalt zum Treuhänder bestellt wird, die Unterstützung und die öffentliche Autorität der Gesellschaft ihm an die Seite tritt."
Nachdem der Ausschuss des DAV nach mehreren Beratungen im Jahre 1914 Soldans Vorschläge abschlägig beschied, erließ er sogleich einen Aufruf zur selbständigen Gründung der "Treuhand Deutscher Rechtsanwälte". Das Unternehmen begann mit einem überraschenden Erfolg, fiel jedoch später der Entwicklung im Kriege zum Opfer. Dennoch war der Einfluss Soldans auf diesem Gebiet von weittragender Bedeutung: seine Ideen wurden noch in den späten Jahren der Republik aufgegriffen und weiterentwickelt.

Die Wissenschaftliche Hilfsstelle (1912)

Im Jahre 1912 schuf Soldan die Wissenschaftliche Hilfsstelle Deutscher Rechtsanwälte, eine Standeseinrichtung von außerordentlicher Bedeutung, auf die hinsichtlich ihrer späteren Entwicklung noch mehrmals zurückzukommen sein wird. Bereits vor ihrer Gründung erhielt Soldan eine Flut von Anfragen und Hilferufen, die Ausdruck des großen Vertrauens waren, das eine Vielzahl von Rechtsanwälten ihm entgegenbrachte. Die Wissenschaftliche Hilfsstelle beschränkte sich indes keineswegs auf die Erstattung juristischer Gutachten, sie wurde insbesondere in der ersten Zeit ihres Bestehens auch bei Treuhandgeschäften und in kaufmännischen Problemlagen in Anspruch genommen. Insoweit bestand ein unmittelbarer Zusammenhang mit den einer breiten Öffentlichkeit bekannt gewordenen Überlegungen Soldans zur Ausweitung der anwaltlichen Tätigkeit durch Übernahme der Treuhanddienste. In der Zeit von Januar bis Oktober 1912 wurden bereits 253 Gutachten erstattete; in den ersten drei Jahren des Bestehens waren es über 2000 zum Teil sehr umfangreiche Arbeiten geworden. Auch hier zerstörte der Einfluss des Krieges manche wichtige Aufbauarbeit. 1915 setzte diese leidige Zäsur ein, und erst im Jahre 1924 konnte man an die Errungenschaften der ersten Jahre wieder anknüpfen. Für die Wissenschaftliche Hilfsstelle waren von Anbeginn Spezialisten des inländischen und ausländischen Rechts tätig gewesen. Auch unterhielt sie im Verlaufe ihres Ausbaus weltweite Beziehungen; es bestanden rege Kontakte zu allen fünf Kontinenten.

Die Zeit bis 1929

Aus der Fülle der von Hans Soldan ausgehenden Impulse haben wir damit nur diejenigen ausführlicher behandelt, die für den Rahmen der ideengeschichtlichen Entwicklung von maßgeblicher Bedeutung gewesen sind und die zum Ausgangspunkt seiner vielfältigen Bemühungen um die Schaffung geeigneter Standeseinrichtungen wurden.
Der Gedanke zur Gründung von Erholungsstätten für die Rechtsanwälte und ihre Familien, den Soldan schon lange Zeit mit sich trug, ließ sich zu jener Zeit noch nicht verwirklichen. Durch die Kriegsereignisse sind dann wesentliche Teile der Aufbauarbeit des Wirtschaftlichen Verbandes und aller seiner Einrichtungen ganz erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Nicht nur, dass sofort nach Ausbruch des Krieges ein rapider Rückgang des Versandgeschäftes zu verzeichnen war; auch weitere wichtige Ideen waren einfach nicht mehr durchzusetzen, andere im Aufbau begriffene Programme wurden für immer zerstört.
Ein Großteil der Anwälte kämpfte an den Fronten, und viele von ihnen kehrten nie wieder heim. Bereits seit 1914 hatten die Kriegsverhältnisse den Wirtschaftlichen Verband nachhaltig beeinträchtigt, aber durch die Auswirkungen der Inflation wäre er fast hinweggefegt worden. Die DRAZ musste eingestellt werden.
Soldan, der keine politischen Mandate innehatte, musste 1923 auf Befehl der Franzosen das Rheinland verlassen, man hatte ihm passiven Widerstand vorgeworfen. Er ging nach Leipzig, wo er seine Zulassung als Reichsgerichtsanwalt erhielt. Dort versuchte er auch mit dem Einsatz seines persönlichen Vermögens die Geschäfte des Wirtschaftlichen Verbandes wieder in Gang zu bringen. Soldans Einfluss in der Anwaltschaft und das Ansehen des Verbandes ermöglichten darüber hinaus die weitere Entwicklung. In Leipzig lernte Soldan Ernst Nagel, den Geschäftsführer des Berliner Anwaltsvereins, kennen, einen außerordentlich befähigten und dynamischen Selfmademan, den er im Jahre 1924 als Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbandes einsetzte.
Bis dahin lag die Administration des Verbandes in erster Linie in den Händen von ehrenamtlich tätigen Anwaltsehefrauen und etwa einem Dutzend Angestellten. Nagel, der auch weiterhin Geschäftsführer des Berliner Anwaltsvereins war, übernahm nun das Management des Verbandes; er bot selbst in den Räumen der Berliner Gerichte Formulare zum Verkauf an, verwirklichte aber auch weiterreichende Pläne: so setzte er seinen langjährigen Bekannten, Wilhelm Hirschoff, als ersten Außendienstmitarbeiter des Wirtschaftlichen Verbandes ein.
Noch vor der Gründung der Stiftung bestanden Zweigstellen des Wirtschaftlichen Verbandes in Dresden, Leipzig und Stettin. In Leipzig dem Wohnsitz Hans Soldans, befand sich der Hauptsitz, dort war auch dass Zentrum der Wissenschaftlichen Hilfsstelle. Von Berlin, der pulsierenden Hauptstadt der Republik aber gingen immer mehr die administrativen Fäden aus.

Gründung der Hans-Soldan-Stiftung (1929)

An seinem 59. Geburtstag, dem 22. März 1929, gründete Hans Soldan die Stiftung. Schon lange hatte er den Gedanken erwogen, das, was er bisher auf eigene Verantwortung, mit eigener Tätigkeit und aus eigenem Vermögen geschaffen hatte, umzuwandeln in eine selbständige juristische Person. Diese sollte fortführen und auf Dauer am Leben erhalten, was er selbst in ferner Zukunft einmal nicht mehr werde weiferführen können. Dabei wollte er weiterhin in Verantwortung bleiben:
Er war der Vorstand, der die Entscheidungen über die wesentlichen Zwecke der Stiftung fest in der Hand behalten sollte. Zum Stiftungsvermögen führte er aus: "... zu diesem Zwecke übertrage ich der Stiftung das bisher zum Zwecke des Geschäftsbetriebes des 'Wirtschaftlichen Verbandes Deutscher Rechtsanwälte' verwendete Vermögen.
Der 'Wirtschaftliche Verband Deutscher Rechtsanwälte' ist ein von mir gegründetes und bisher betriebenes Unternehmen zu dem Zwecke des gemeinschaftlichen Einkaufs der Kanzleibedürfnisse für Rechtsanwälte. Es ist nicht im Handelsregister eingetragen und gehört mir allein. Das Vermögen dieses Unternehmens ist seit dessen Gründung im Jahre 1908 streng von meinem persönlichen Vermögen geschieden und in einer besonderen Buchführung als selbständiges Vermögen behandelt worden. Der Vermögensstand des Unternehmens am 31. Juli 1928 ist aus dem als Anlage zur Stiftungssatzung beigefügten Revisionsbericht der Treuhand-Aktiengesellschaft ,Revision' in Berlin nebst der von ihr gefertigten Bilanz ersichtlich. Das Vermögen beträgt rund Einhunderttausend Mark."
Die bis dahin für den Wirtschaftlichen Verband beschäftigt gewesenen Mitarbeiter blieben nach wie vor und in den gleichen Funktionen für die Stiftung tätig. Eine weitere Geschäftsstelle in Hamburg sollte noch hinzukommen sowie der kontinuierliche Ausbau von Bezirksvertretungen. Dabei ist es jedoch noch nicht möglich gewesen, die Kunden der Stiftung "flächendeckend" zu beraten; dies sollte erst in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg im Zuge des Wiederaufbaus gelingen. Frühzeitig wurden bereits vom Wirtschaftlichen Verband die Notare mit ihren speziellen Berufsbedarfsartikeln wie Presse, Siegelprägung, Lacksiegel, aber auch mit allen Formularen und weiterem Zubehör ausgestattet. Diese Entwicklung verstand sich aufgrund der Tatsache der vielen Anwaltsnotare schon von selbst, sie wurde von der Hans-Soldan-Stiftung eher noch intensiviert. Anwälte und Notare wurden mit dem gleichen Selbstverständnis beraten und mit Berufsbedarfsartikeln beliefert.
Zum ersten Aufsichtsratsvorsitzenden der Stiftung wurde der Reichsgerichtsrat Dr. Erich Brodmann ernannt, der ab 1922 nach Eintritt in den Ruhestand mit einigen, unter Juristen vielbeachteten Publikationen auf sich aufmerksam machte, ein hervorragender Kenner des Rechts der Handelsgesellschaften, insbesondere des Rechts der GmbH und der Aktiengesellschaft. Brodmann hatte seit 1924 wesentlichen Anteil am Wiederaufbau der Wissenschaftlichen Hilfsstelle, die er zusammen mit Hans Soldan betreute. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Aufsichtsrates beschränkte er sich nicht etwa bloß auf die Überprüfung der Buchhaltung und der Bilanzen, er fand sich darüber hinaus stets und gern zur Mitarbeit in allen wesentlichen Stiftungsfragen bereit. Er verstarb 1940, wenige Wochen vor dem Tod des Stifters.

Die weiteren Jahre bis zum Tode des Stifters

In der Zeit nach 1929 beginnt es um die Person des Stifters etwas ruhiger zu werden, zumindest gilt dies für sein Auftreten und sein Wirken in der Öffentlichkeit. Diese Tatsache zeichnet sich im Grunde schon seit 1923 ab, also seit der Aufgabe seines so wirkungsvoll operierenden Sprachrohrs, der DRAZ.
Allerdings arbeitete er, von der Öffentlichkeit unbemerkt, äußerst wirkungsvoll und zielstrebig an den Stiftungsaufgaben weiter.
Es folgte 1931 der Erwerb einer eigenen Druckerei, aber was noch wichtiger war: noch im gleichen Jahre konnte endlich Soldans langgehegter Wunsch in Erfüllung gehen, die erste "Erholungsstätte Deutscher Rechtsanwälte" zu eröffnen. Der Stiftung war es gelungen, das Kurhotel "Juliushall" in Bad Harzburg in eigener Regie zu übernehmen.
Bereits vorher, im Februar 1930, gründete Magdalene Soldan, die Ehefrau Hans Soldans, zusammen mit anderen Anwaltsehefrauen und Lotti Soldan, der Schwester des Stifters, die "Vereinigung Deutscher Rechtsanwaltsehefrauen". Den Vorsitz übernahm Lotti Soldan. In ihrer Zeitschrift "Der gemeine Pfennig" bekannte sich die Vereinigung zu dem alten Ziel des Stifters, Erholungsheime für die Rechtsanwaltsfamilien zu schaffen. Sie erreichte es immerhin, verbilligte Aufenthalts- und Verpflegungsmöglichkeiten in ausgesuchten Feriengegenden zu vermitteln.
Von ganz anderer Qualität und Bedeutung wurde aber nun das Kurhofel "Juliushall", das bereits im ersten Jahr seiner Übernahme für rund 10000 Verpflegungstage von Anwälten und ihren Familien in Anspruch genommen wurde. Die Stadt Bad Harzburg konnte den Wunsch der Stiftung nicht erfüllen, ihm das stattliche Anwesen zu verkaufen. Die Stiftung hatte es deshalb in Pacht übernommen, aber das gesamte Inventar, soweit es nicht zum Hause gehörte, von dem Vorbesitzer des Hotels gekauft. Alle Angestellten des Kurhotels waren Angestellte der Stiftung, und die Gäste waren Gäste der Stiftung. Die Kurtaxe, die im Sommer eine Mark und im Winter 50 Pfennig je Tag betrug, zahlte die Stiftung für die Rechtsanwälte und ihre Angehörigen.
Das Harzburger Hotel war für die Stiftung von Anfang an ein Verlustposten. Dennoch fasste sie im Jahre 1939 den Beschluss, erholungsbedürftige Anwälte in das Hotel kostenlos aufzunehmen. Dazu ist es dann aber nicht mehr gekommen: im selben Jahre wurde nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges das Hotel -- wie auch viele andere Hotels in Bad Harzburg -- zu "Wehrmachtszwecken" beschlagnahmt. Auf diese Weise wurde aus dem in idyllischer Harzlage gelegenen Städtchen bald ein einziges großes Lazarett.
In der Zeit danach blieb nichts mehr beim alten. Belegschaftsmitglieder wurden ebenso eingezogen wie die Kunden der Stiftung, die Rechtsanwälte und Notare. Viele von ihnen ließen im Krieg ihr Leben.
Anlässlich einer Trauerfeier zum Tode des Stifters am 23. November 1940 im Geschäftsgebäude in der Blumenstraße sahen die Familienangehörigen Soldans, die aus der rheinhessischen Gegend nach Berlin gekommen waren, zum ersten Mal die großen und schönen Räume, die dann später der Bombardierung zum Opfer fielen.
Nachfolger des Stifters als Vorstand wurde sein Schwiegersohn, Dr. iur. Fritz Trops, der ihn bereits seit den Aufsichtsratssitzungen vom Februar 1938 als Vorstandsassistent vertreten hatte. Dr. Trops blieb Vorstandsmitglied der Stiftung bis zu seinem Tode am 31. Oktober 1978. Er hat von Beginn an sorgfältig und streng über die Einhaltung, der Stiftungssatzung gewacht. In ihr hat er nie ein bloßes Organisationsstatut erblickt; die Soldansche Richtschnur des ausschließlich gemeinnützigen Zwecks der Stiftung, die auch in der Satzung ihren Ausdruck findet, wurde ihm oberstes Prinzip.